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  Fall Nr. 798 - WURDE INTRAVENÖSER ALKOHOL TATSÄCHLICH ZUR
                           BEHANDLUNG VON VORZEITIGEN WEHEN BEI
                           SCHWANGEREN EINGESETZT?

PeriFACTS
Fall Nr. 798
FALL: WURDE INTRAVENÖSER ALKOHOL TATSÄCHLICH ZUR BEHANDLUNG VON VORZEITIGEN WEHEN BEI SCHWANGEREN EINGESETZT?
Editor-in-Chief:
James R. Woods, Jr., M.D.
Überarbeitung:
Univ. Prof. Dr. Christian Egarter
Universitätsklinik für Frauenheilkunde
Abteilung für Forschung und Ausbildung

Lernziele für den STRONG-PeriFACTS-Fall Nr. 798:
Nach dem Durcharbeiten sollte der Leser fähig sein,

  • die Überlegungen bezüglich einer intravenösen Alkoholverabreichung bei Frühgeburt zu erklären.
  • zwei Tokolytika aufzuzählen, die seit den 70er Jahren Alkohol abgelöst haben.

EINLEITUNG

Sie kennen wahrscheinlich die Geschichte: Ein älterer Geburtshelfer wird spät in der Nacht zu seiner Patientin wegen vorzeitiger Wehen gerufen. Damals waren die Geburtshelfer fast ausschließlich Männer und er empfahl seiner Patientin, Alkohol zu trinken. Er behauptete auch, dass er die gute Wirkung schon oft beobachtet hätte. Sind Sie deswegen geschockt? Es stimmt tatsächlich, dass in den späten 60er Jahren sogar intravenöser Alkohol ernsthaft in einigen wichtigen geburtshilflichen Zentren als Tokolytikum getestet wurde.

INTRAVENÖSER ALKOHOL ALS TOKOLYTIKUM

Die Sache begann im Labor von Frau Anna-Riitta Fuchs, Ph.D., die basierend auf früheren Arbeiten, die gezeigt hatten, dass intravenöses Äthanol die Azetylcholin-induzierte Freisetzung des antidiuretischen Hormons aus dem Hypophysen-Hinterlappen blockiert, vermutete, dass dies auch mit dem anderen Hormon des Hypophysen-Hinterlappens, dem Oxytozin, gelingen könnte.

Da Alkohol in noch älteren Studien auch zur Analgesie in der Geburtshilfe verwendet wurde, glaubte sie, dass er vielleicht auch zur Wehenhemmung eingesetzt werden könnte. Zu dieser Zeit gab es aber noch keine exakten Bestimmungsmöglichkeiten des Serumspiegels von Oxytozin. Deshalb entschied sie sich in einem Kaninchenmodell für die postpartale uterine Aktivität als eine Art Bioassay und führte mithilfe eines kleinen intrauterinen Ballons diesbezügliche Messungen durch. Tatsächlich schien ihre Theorie richtig zu sein; intravenös applizierter Alkohohl führte zu einer drastischen Verringerung der normalen postpartalen Kontraktionen im Kaninchenuterus; sogar Injektionen von synthetischem Oxytozin produzierten nur ein normales Kontraktionsmuster. Sie zeichnete daraufhin die postpartale uterine Aktivität bei einer Frau auf, der sie 100ml eines Cognacs verabreichte; die Kontraktionen während des Stillens wurden unterdrückt.

Als nächster Schritt war die Zusammenarbeit mit ihrem Gatten Dr. Fritz Fuchs geplant, um diese Ergebnisse an einem größeren Kollektiv von Frauen zu testen. 25 Frauen erhielten initial eine Infusion von absolutem Alkohol 1,25g/kg Körpergewicht in einer 5%-Dextrosemischung über 1 Stunde und einer Dosierung von 1/10 über eine weitere Stunde. Bei 15 der 25 Frauen kam es zu einer Abnahme der uterinen Aktivität. In einer Ausdehnung dieser Studie wurden dann insgesamt 68 Frauen mit vorzeitiger Wehentätigkeit – definiert als bestehende regelmäßige leichte bis starke Kontraktionen über zumindest eine Stunde – einbezogen. Die verabreichte Dosis war 15ml pro kg einer 9,5%igen Äthanol- und 5%-Dextrose-Wasser-Mischung für 2 Stunden und einer Erhaltungsdosis von 1,5ml/kg/Stunde für weitere 6 Stunden. Aufgrund dieser Dosierung kam es zu Blutalkoholspiegeln zwischen 0,9 bis 1,6 Promille. Zum Vergleich: Ein etwa 70kg schwerer Mann mit 8 stärkeren alkoholischen Getränken über 4 Stunden hat etwa 1 Promille. Es kam bei allen Patientinnen zu einer entsprechenden Wirkung und bei 67% konnte für zumindest 3 Tage eine Geburt verhindert werden. In einer weiteren Studie verglich dieselbe Arbeitsgruppe diese Art der Tokolyse mit einer Placebogruppe mit reiner Glukoseinfusion.

Die Tabelle zeigt die Ergebnisse:



Diese Untersuchungen wurden auf nationalen Kongressen in den 70er Jahren präsentiert und Äthanol dann auch kurz in der Klinik zur Tokolyse eingesetzt; glücklicherweise haben neuere Tokolytika wie Ritodrin und später Terbutalin relativ rasch Alkohol ersetzt.

ZUSAMMENFASSUNG

Meine persönliche Erinnerung (James R. Woods) an den Einsatz von Alkohol i.v. zwischen 1970 und 1974 in der Behandlung einer Frühgeburt ist noch sehr präsent. Diese Frauen wurden rasch sehr betrunken, einige fielen aus dem Bett, andere zogen sich ihre i.v. Infusionen heraus, die meisten hatten eine ausgeprägte Übelkeit, einige erbrachen und viele hatten eine Sprache, die selbst einen Seemann beeindruckt hätte. Auch wenn die Wissenschaft inzwischen weiter ist, ist es interessant, sich öfters an die Wurzeln zu erinnern. Zu wissen, dass international anerkannte Wissenschafter ernstlich intravenöse Alkoholapplikationen zur Verhinderung der Frühgeburt untersucht haben, ist ein ideales Beispiel für den Fortschritt auch in der Geburtshilfe in den letzten 30 Jahren.

REFERENZLITERATUR

  1. Fuchs A-R (1964). Oxytocin and the onset of labour in rabbits. Journal of Endocrinologica, 30, 217-224.
  2. Fuchs A-R and Wagner G (1963). Effect of alcohol on release of oxytocin. Nature, 198, 92-94.
  3. Fuchs F and Wagner G (1965). Treatment of threatened premature labour with alcohol. Journal of Obstetrics and Gynaecology of the British Commonwealth, 72, 1011.
  4. Fuchs F, Fuchs A-R, Poblete VF, and Risk A (1967). Effect of alcohol on the threatened premature labor. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 99, 627-637.
  5. Van Dyke HB and Ames RG (1951). Alcohol diuresis. Acta Endocrinology, 7, 110-121.
  6. Zlatnik F and Fuchs F (1971). A controlled study of ethanol in threatened preterm labor. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 112, 610-612.
Copyright© 2008 University of Rochester

VORSICHTSMASSNAHMEN BEZÜGLICH PHTHALATEN UND ANDEREN INHALTSSTOFFEN VON PLASTIK

By Shanna H. Swan, Ph.D.
Department of Obstetrics and Gynecology
University of Rochester Medical Center
Rochester, NY


Konsumenten und Journalisten fragen oft nach Vorsichtsmaßnahmen bezüglich der Reduzierung einer Phthalat-Exposition und anderer schädlicher Chemikalien, die bei Plastik gefunden werden können. Hier sind einige diesbezügliche Vorschläge.

Wie auf der Webseite der National Library of Medicine (NIH)1 festgehalten, kann man einer niedrigen Konzentration an Phthalaten über Wasser, Luft oder Nahrungsmittel ausgesetzt sein. Auch bei der Verwendung von Kosmetika, Produkten des täglichen Gebrauchs, Reinigungsmitteln und anderen Produkten aus Plastik und PVC kann eine Phthalat-Exposition vorkommen. Eine Exposition kann bei Verzehr von Lebensmitteln auftreten, die in Phthalat-haltiges Plastik verpackt waren, oder durch Einatmen von Staub in Räumen mit Tapeten oder neu verlegten Fußbodenbelägen, die Phthalate enthalten – auch wenn nicht bekannt ist, wie häufig das auftritt. Kinder können durch Kauen an weichen Vinylspielzeugen oder anderen Produkten exponiert sein oder durch das Einatmen von Phthalat-hältigem Haushaltsstaub bzw. über den Gebrauch von medizinischen Produkten, die Phthalate enthalten.

In anderen Worten, die traurige Realität ist, dass praktisch alle von uns regelmäßig einer niedrigen Konzentration an Phthalaten ausgesetzt sind. Trotzdem gibt es bis zu dem Zeitpunkt, wo der Gebrauch dieser Chemikalien in den täglichen Produkten massiver beschränkt wird, einige Möglichkeiten, wie wir auch heute zumindest teilweise dieser Exposition entkommen können.

Leider sind diese Chemikalien in unserer Umwelt bereits so verbreitet, dass nicht ganz klar ist, welche Vorsichtsmaßnahmen am effektivsten das Risiko senken. Nahrungsmittel sind wahrscheinlich ein weites Feld der Exposition, wir wissen aber nicht, wann Phthalate darin nachgewiesen werden können. Eine Vorsichtsmaßnahme könnte sein, PVC-freies Plastik zur Verpackung zu verwenden und darauf zu achten, dass die Nahrungsmittel keinen direkten Kontakt dazu haben. Zur vollkommenen Vermeidung von Plastikverpackungen könnte man auf Papier oder Wachspapier ausweichen. Wenn möglich sollte man eher Polyethylenbehälter verwenden, die Phthalat-frei sind (vielleicht aber andere Zusatzstoffe enthalten). Man kann auch spezielles Glas- oder Keramik-Kochgeschirr verwenden, das auch für die Mikrowelle geeignet ist. Jedenfalls sollte man keine Plastikbehälter für den Kühlschrank in der Mikrowelle verwenden, weil sie sich außerdem verziehen bzw. schmelzen und generell nicht für die hohen Temperaturen der Mikrowelle geeignet sind. Darüber hinaus sollte man Mikrowellen-Nahrungsmittel in gefrorenen Kartons oder Styropor-Behältern vermeiden. Ein Ratschlag für den Umgang mit Plastik empfiehlt auch Behälter mit den amerikanischen Recycling Codes #1, #2, #4 (Formen von Polyethylen) und #5 (Polypropylen) zu bevorzugen und #3 (Polyvinylchlorid, das Phthalate enthält) und #6 (Polystyren) sowie #7 (meistens Polykarbonate, die Bisphenol A enthalten) zu vermeiden.

Nur ein Phthalat (Diethylhexylphthalat) ist im amerikanischen Trinkwasser geregelt, kann aber auch ab und zu in höheren als erlaubten Konzentrationen da und dort nachgewiesen werden, da die Spiegel auch fluktuieren und das Wasser nur periodisch getestet wird; alle anderen Phthalate werden nicht reglementiert. Als Konsument kann man sich das Wasser zu Hause auch aufbereiten; die empfohlene Methode ist die Verwendung eines Granulat-aktivierten Karbonfilters, um Phthalate aus dem Trinkwasser zu filtern. Für das Wasser in Plastikflaschen im Handel gibt es bis dato keinerlei Regulierung. Das amerikanische National Resources Defense Council testete eine Reihe von Wasserflaschen durchaus bekannter Handelsnamen und einige, aber nicht alle enthielten Phthalate.3

Kinder

Kinder können durch Kauen von weichem Vinylspielzeug oder anderen Produkten aus Vinylphthalaten ausgesetzt sein. Eltern sollten sich bei Schnullern, Plastikspielzeug etc. vergewissern, dass sie „Phthalat-frei“ sind; bei einer kurzen Suche im Internet können derartige Produkte von den Konsumenten meist leicht eruiert werden. Gelegentlich möchten manche Eltern – hauptsächlich wegen Bedenken gegenüber Bisphenol A, einem spröden Plastikbestandteil von Polykarbonaten – auch keine durchsichtigen Plastikflaschen zum Stillen verwenden, wenn der Hersteller nicht garantieren kann, dass sie kein Polykarbonat enthalten. Die Europäische Union hat 3 Arten von Phthalaten bei allen Produkten für Kinder verboten und weitere 3 Typen bei allen Produkten, die von Kleinkindern oral verwendet werden; in Kalifornien werden ähnliche Verbote überlegt.

Einige Phthalate kommen auch in Produkten für die Körperpflege vor und manche Firmen haben diese oder generell alle Phthalate bereits aus ihren Produkten eliminiert. Weiterführende Informationen über spezielle Produkte beispielsweise für Schwangere oder Paare, die eine Schwangerschaft planen und deshalb Phthalat-hältige Produkte meiden wollen, können unter http://www.nottoopretty.org4 gefunden werden.

Weitere vorbeugende Maßnahmen könnten beispielsweise der Wunsch nach Phthalat-freien medizinischen Produkten, die Überprüfung der Medikamenten-Beipackzettel bezüglich der Phthalate und die Vermeidung von PVC-Materialien bei Bau- oder Umbaumaßnahmen zum Schutz vor Exposition innerhalb einer Wohnung sein. Obwohl das diesbezügliche Risiko bisher noch nicht evaluiert wurde, sind derartige vorbeugende Maßnahmen sicherlich nicht abträglich und reduzieren wahrscheinlich die Exposition gegenüber Phthalaten und Bisphenol A, die in letzter Zeit wegen der zunehmenden Hinweise auf ihre Toxizität unter Beschuss geraten sind.

RELATED READING
  1. Swan S (2006). Your Health & the Environment. University of Rochester Environmental Health Sciences Center. http://toxtown.nlm.nih.gov/text_version/ chemical.php?name=phthalates
  2. Institute for Agriculture and Trade Policy. Food and Health Program (2005). Smart Plastics Guide. Healthier Food Uses of Plastics. http://www.healthobservatory.org/library.cfm?RefID=77083
  3. Natural Resources Defense Council (2008). Bottled water. Pure drink or pure hype? http://www.nrdc.org/water/drinking/bw/exesum.asp
  4. Houlihan J, Brody C, and Schwan B (2002). Not to Pretty. Phthalates, Beauty Products & the FDA. http://www.safecosmetics.org/docUploads/NotTooPretty_r51.pdf
Copyright© 2008 University of Rochester
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